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Zahnstein beim Hund

Zahnstein und Parodontitis sind die am häufigsten diagnostizierten Erkrankungen bei Hunden und Katzen. Der Vorbeugung und damit der Maulhygiene kommt eine entscheidende Bedeutung, auch bei Hunden zu.

Vom Zahnbelag zum Zahnstein

Zahnbeläge (auch Plaque) sind weiche Beläge, die den Zähnen von Hunden mehrheitlich an der Außenseite aufliegen. Diese Beläge bestehen aus kleinsten Nahrungsresten und Bakterien. Durch Einlagerung von Kalksalzen kommt es zur Bildung von harten Belägen, die sich nicht einfach entfernen lassen (sogenannter Zahnstein). Neben der normalen Bakterienflora des Mundraums gibt es einige Arten von Bakterien, die eine Einlagerung von Kalksalzen begünstigen. Am Rande des Zahnstein lagern sich neue Plaque bevorzugt ab, so dass der Zahnstein fortwährend an Größe gewinnt. Die Verkalkung reich nicht selten unter den Zahnfleischsaum, wo er im Verborgenen den Zahnhalteapparat schädigt. Zahnfleischentzündung und Parodontitis sind die Folgen. 

Die ersten festen Zahnbeläge können bereits nach 2 Wochen ohne regelmäßige Zahnpflege sichtbar. 

Mythos von der Fütterung 

Die Meinung, dass die Fütterung von Kohlenhydraten (insbesondere Getreide) zur vermehrten Zahnsteinbildung führt, konnte in wissenschaftlichen Studien nicht gezeigt werden. Vielmehr zeigte sich, dass die Zusammensetzung des Futters keinen Einfluss auf die Entstehung von Zahnstein zu haben scheint. 

Einige Hunde bekommen Zahnstein, auch bei ausschließlicher Roh-Fütterung und ausreichendem Kauen, einfach weil sie dazu neigen. Umgekehrt bringt die Fütterung von Knochen nur einen Zugewinn für die Gesundheit der Backenzähne. Fangzähne und Schneidezähne bleiben an ihrer Außenseite unberührt.  

Besonders kleine Hunde mit einem Gewicht unter 8 Kilogramm sind im Besonderen von Zahnstein und Parodontitis betroffen. Beim Pudel sind 90% aller Tiere unter 4 Jahren bereits davon betroffen, alle Pudel über 4 Jahren hatten laut einer Studie Anzeichen einer Parodontitis. Trockenfutter hält die Zähne nicht mehr oder weniger „sauber“ als Nassfutter. In einer Studie mit über 1.000 Hunden wurde kein Unterschied zwischen herkömmlichem Nassfutter und Trockenfutter bezüglich ihrer vorbeugenden Wirkung auf Zahnstein festgestellt. 

Parodontitis

Eine Parodontitis ist die schwerste Erkrankung des Zahnhalteapparats. Im fortgeschrittenen Stadium der Parodontitis bildet sich das Zahnfleisch zurück und die Zahnhälse liegen frei. Über die Scherzhaftigkeit dieses Umstands muss nicht diskutiert werden, denn auch viele Menschen leiden unter freiliegenden Zahnhälsen und kennen die Schmerzen aus eigener Erfahrung. 

Unbehandelt schreitet  eine Parodontitis bis zum Freiliegen der Zahnwurzel fort, was unweigerlich den Verlust des Zahns bedeutet. Im schlimmsten Fall geht die Entzündung auch auf den Kieferknochen über. Der betroffene Hund zeigt dann möglicherweise sogar eine harte Schwellung im Gesicht.

Zahnstein und Parodontitis erkennen

Zahnstein ist meist an einer dunklen, manchmal gräulichen oder gelblichen Verfärbung der Zähne an der Außenseite zu erkennen. Bei fortgeschrittenen Fällen führt er zu einer Entzündung des Zahnfleisch (medizinisch Parodontitis). Diese Zahnfleischentzündung ist an einer dunkelroten Färbung des Zahnfleischsaums erkennbar. 

Typische Anzeichen für eine Zahnerkrankung beim Hund sind:

  • erhöhter Speichelfluss
  • Stinkiger Mundgeruch
  • Zahnfleischblutungen (immer ein Warnzeichen!)
  • Einseitiges Kauen
  • Futterteile fallen beim Kauen aus dem Maul
  • Zahnfleischrückgang

Zahnstein und Paradontitis vorbeugen

Die meisten Hunde akzeptieren mit angemessenem Training das Zähneputzen. Einmal tägliches Zähneputzen ist der ideale Weg um eine optimale Zahngesundheit zu gewährleisten. 

Neben dem Zähneputzen gibt es noch viele andere Möglichkeiten Zahnstein vorzubeugen. Nach unserer Erfahrungen reagiert nicht jedes Tier gleich gut auf jede Methode. So reagiert nicht jeder Hund gleich auf die Fütterung mit entweder speziellem Zahnfutter oder Roh-Futter. Bei der extremen Variabilität des Hundegebiss bei den verschiedenen Rassen ist dieser Umstand nur wenig überraschend. 

Der Mangel an Proteinen im Futter kann zur Veränderung des Zahnhalteapparats führen. Kohlenhydrate im Futter führen nicht zu einer vermehrten Ansammlung von Plaques nach der Fütterung oder verstärkter Zahnfleischentzündung. Die Zugabe von Vitaminen hatte ebenso keinen Effekt auf die Schwere einer Parodontitis. 

Da Zahnstein vorwiegend aus Kalziumsalzen besteht könnte man ein Calcium-armes Futter zusammenstellen. Die Fütterung eines solchen Futters führt jedoch auf Dauer zur Fehlfunktion der Nebenschilddrüse und zur Knochenauflösung.

Kauspielzeuge

Spezielle Kauspielzeuge und Kauknochen, die als zahnfreundlich und Zahn-reinigend ausgewiesen sind konnten in Studien ihre Wirksamkeit belegen. Die Hunde, die regelmäßig (!) ein solches Spielzeug erhielten zeigten weniger Zahnsteinbildung, weniger Zahnfleischentzündung und eine bessere Kieferknochenqualität. Ähnlich verhält es sich  mit der Fütterung etwaiger Futter (Kauknochen, Knorpel und ähnlichem). Diese wirken jedoch nur dort wo der Hund auch wirklich kaut. Für die meisten bedeutet das lediglich eine Reinigung der Backenzähne. Durch echte Knochen steigt zudem die Gefahr für Zahnfrakturen

Zahnstein mit Parodontitis behandeln

Die Behandlung von Zahnerkrankungen bei Hunden erfolgt in der Regel in Narkose. Für die Entfernung von Zahnstein ist eine Inhalationsnarkose erforderlich. Dabei wird der Luftweg durch einen Atemschlauch (den Tubus) gesichert, so dass keine Flüssigkeit oder Fremdmaterial aus dem Maul in die Lunge gelangen können. 

Der Zahnstein wird dem folgend mit einem Ultraschall-Gerät von den Zähnen gelöst. Das Gerät besitzt eine dünne Spitze, die einfach unter den Zahnfleischsaum gebracht werden kann. Durch seine dünne Form ist diese Methode besonders schonend für den Zahnhalteapparat. Nachdem alle Zahnbeläge gelöst sind wird immer eine Politur der Zähne durchgeführt. Dabei werden feine Unebenheiten im Zahnschmelz geglättet.

Bitte vergessen Sie nicht bereis 24 Stunden nach einer professionellen Zahnreinigung sind die Zähne wieder mit der annähernd gleichen Menge an Bakterien besiedelt. Jetzt liegt es in Ihren Händen die Zähne sauber zu halten. 

Zahnstein selber entfernen

Wir raten von der Zahnsteinentfernung durch Laien ab. Besonders bei gerötetem Zahnfleisch ist davon auszugehen, dass bereits eine Zahnsteinbildung unterhalb des Zahnfleischrandes begonnen hat. Diese Beläge sind beim wachen Tier nicht ohne weiteres erreichbar. Soweit man sie erreicht, ist davon auszugehen, dass mit der Entfernung nicht unerhebliche Scherzen einhergehen. Daher ist aus Tierschutzaspekten eine Schmerzausschaltung erforderlich. Entgegen Tips aus Foren ist es nicht "normal", dass es bei der Zahnsteinentfernung blutet. Blutendes Zahnfleisch ist immer ein Anzeichen für eine Erkrankung oder Verletzung des Zahnfleisch.

Die ausschließliche Entfernung des sichtbaren Zahnsteins ist mehr eine kosmetische Angelegenheit und trägt nur wenig zur dauerhaften Zahngesundheit bei. Die gefährlichen Beläge befinden sich am Übergang von Zahn zu Zahnfleisch und darunter.

Unbehandelter Zahnstein hat Folgen

Für den gesamten Körper bleiben die Folgen von Zahnstein und der daraus resultierenden Parodontitis nicht ohne Folgen. Das Immunsystem wird dauerhaft angeregt durch die ständige Belastung des Körpers mit Bakterien, die im entzündeten Gebiet in den Körper gelangen. Nieren, Leber und Herzklappen leiden zunehmend unter der Belastung. In Leber und Niere können durch die Bakterien Entzündungen und Eiterherde entstehen. Besonders an den Herzklappen bildet sich gern ein Bakteriensaum, der langsam zur Zerstörung der Klappenfunktion führt.