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Kastration beim Rüden - Sollte man Hunde überhaupt kastrieren?

Die Kastration eines Rüden kann bei medizinischen Gründen notwendig sein. Darüber hinaus sollte eine Kastration jedoch gut überlegt werden.

Vorteile einer Kastration beim Rüden

Einige Rüden neigen zu starkem Sexualtrieb (medizinisch: Hypersexualität) und können infolge dessen zu Verhaltensänderungen in Gegenwart läufiger Hündinnen neigen, insbesondere zu Aggressivität gegenüber anderen Rüden. Eine Kastration kann dieses Verhalten sehr erfolgreich abstellen. Solche Rüden sind meist schwierig trainierbar, was eine Kastration manchmal notwendig macht.

Beim Rüden wird durch eine Kastration sehr sicher Tumoren an Hoden und After vorgebeugt.

Bei kastrierten männlichen Hunden kommt es nur sehr selten zu Prostatavergrößerungen. Dammbrüche (medizinisch: Perianalhernie) kommen in dessen Folge ebenfalls nur noch sehr selten vor.

Auch bei Rüden wird die Lebenserwartung durch eine Kastration erhöht.

Nach einer Kastration sind Rüden nicht mehr in der Lage Nachwuchs zu zeugen. Die Zeugungsfähigkeit bleibt jedoch noch einige Wochen nach der Operation bestehen. Erst nach dem Ablauf von sechs Wochen nach dem Eingriff ist von einem Verlust der Zeugungsfähigkeit auszugehen. 

 

Nachteile der Kastration eines Rüden

Die potentiellen Nachteile sollten immer kritisch gegenüber den Vorteile aufgewogen werden. Nicht jeder der hier aufgelisteten Nachteile betrifft jede Hunderasse in gleichem Maße. Eine fachlich fundierte Einschätzung kann nur ein Tierarzt geben, der Sie und Ihren Hund kennt und untersucht hat. 

Die möglichen Nachteile sind im Folgenden in Kürze aufgeführt. 

Tumore

Kastrierte Rüden steigt das Risiko für die Entwicklung von Tumoren. 

Bei großwachsigen Rassen verdoppelt sich durch die Kastration das Risiko für bösartige Knochentumore. (1)

Golden Retriever Rüden, die vor dem vollendeten ersten Lebensjahr kastriert wurden, haben ein 3-fach höheres Risiko für Lymphome (bösartige Tumore des Lymphsystems). (2)

Knochenwachstum

Kastrierte Hunde werden größer als ihre intakten Geschwister. Dies ist eine Folge, einer verzögerten Schließung der Wachstumsfuge des Knochens. Bei einigen Hunden kommt es in dessen Folge zu einer irregulären Körperform, mit unvorhersehbaren Folgen für die Biomechanik der einzelnen Gelenke. (3)

Bei frühkastrierten Golden Retriever Rüden (vor dem vollendeten ersten Lebensjahr), zeigte sich ein doppelt so hohes Risiko von Hüftdysplasie. Ein leicht erhöhtes Risiko konnte auch noch bei einer Kastration bis zum Alter von drei Jahren nachgewiesen werden. (4)

Kreuzbandrisse

Bei Golden Retriever Rüden, die vor dem vollendeten ersten Lebensjahr kastriert wurden zeigten sich in 5% der Hunde ein Kreuzbandriss. Während sich bei umkastrierten Rüden keine Kreuzbandrissen fanden. (5)

Schilddrüsenunterfunktion

Bei kastrieren Hunden findet sich häufiger eine Schilddrüsenunterfunktion als bei intakten Hunden. (6)

Übergewicht

Durch fehlende Hormone sinkt der Energiebedarf um 30-40%, während der Nährstoffbedarf annähernd gleich bleibt. Dies bedeutet, dass kastrierte Hunde mit hochwertigem Futter versorgt werden sollten, dass eine hohe Nährstoffdichte bei zugleich niedriger Kaloriendichte enthält. So kann der Entstehung von Übergewicht nach der Kastration vorgebeugt werden. 

Fellveränderung

Diese Fellveränderungen werden auch gern als Welpenfell bezeichnet. Ein Mangel an Geschlechtshormonen kann (vor allem bei Hündinnen) zu einem Vermehrten Wachstum der Unterwolle führen. Das Fell lässt sich schlecht pflegen und ist anfällig für Nässe. Vom sogenannten Welpenfell sind vor allem Tiere der Rassen Langhaardackel. Irish Setter und Cocker Spaniel betroffen. Bei einem andere Extrem kann es zum Haarausfall in der Flankengegend kommen.

 

Alternativen zur Kastration eines Rüden (chemische Kastration)

Für Rüden ist ein Kastrationschip erhältlich, der unter die Haut implantiert wird. Dieser Chip unterdrück die Bildung von Sexualhormonen und wird daher auch als chemische Kastration bezeichnet. Der Chip wirkt wie eine echte Kastration. Je nach Wirkstoffkonzentration des Chips hält seine Wirkung sechs oder zwölf Monaten, danach verliert er von allein seine Wirkung und muss bei Bedarf erneuert werden. Er kann daher auch als Kastration auf Probe angesehen werden. Die Kosten für die chemische Kastration liegen zwischen 100-200€, abhängig von seiner gewünschten Wirkdauer. 

Die chemische Kastration ist vor allem für Hundehalter geeignet, die unerwünschtes Verhalten mit einer Kastration abstellen möchten. Der Chip zeigt die selbe Wirkung wie eine operative Kastration. Sollte sich das Verhalten in Folge der Implantation nicht verändern, wird eine Operation auch nicht den gewünschten Effekt zeigen.

Die Sterilisation des Rüden unterbindet lediglich die Zeugungsfähigkeit. Dies kann eine Alternativ in bestimmten Fällen darstellen. Bei einer Sterilisation werden die Samenleiter durchtrennt und so eine Zeugungsfähigkeit unterbunden. Der Einfluss der Hormone besteht weiterhin, daher eignet sich dieser Eingriff nicht zur Behandlung bestimmter Hormon-abhängiger Krankheiten. 

 

Der richtige Zeitpunkt für die Kastration

Den richtigen Zeitpunkt, der für jeden Rüden passt gibt es nicht. Wir würden nur dazu raten einen Rüden zu kastrieren, wenn es wichtig ist seine Zeugungsfähigkeit dauerhaft zu unterbinden oder medizinische Gründe für eine Kastration bestehen. Dies ist nicht an ein bestimmtes Alter oder einen saisonalen Zeitpunkt, wie etwa bei der Kastration der Hündin gebunden. 

Es sollte möglichst abgewartet werden, bis das Knochenwachstum vollständig abgeschlossen ist. Ihr Tierarzt kann Sie hinsichtlich des für Sie und Ihren Hund passenden Kastrationszeitpunktes beraten. Vereinbaren Sie noch heute einen Termin mit uns!

 

Ablauf der Kastration des Rüden

Am Tag der Kastration bringen Sie Ihren Hund morgens gegen 8 Uhr in unsere Praxis. Wir führen die Narkoseeinleitung in unserem Operationstrakt durch. Dort können wir die optimale Versorgung für Ihren Hund gewährleisten, denn vor allem Narkoseein- und -ausleitung sind mit erhöhten Risiken für den Patienten behaftet. Nur in Ausnahmefällen führen wir die Narkoseeinleitung im Beisein der Besitzer durch (zum Beispiel bei sehr ängstlichen oder aggressiven Patienten). 

Grundsätzlich verwenden wir für unsere Patienten eine Inhalationsnarkose. Diese Narkoseform gilt als besonders schonend und kann je nach Bedarf des einzelnen Hundes angepasst werden. Zudem verwenden wir moderne Narkosemonitoringsysteme zur Überwachung der Narkosetiefe und des Narkoseverlaufs. 

Die Entnahme der Hoden, erfolgt über einen kleinen Schnitt oberhalb des Hodensacks. Die Entfernung des Hodensacks ist nicht notwendig, überschüssige Haut bildet sich im Laufe der Zeit zurück. Durch ihre Entfernung des Hodensacks verlängert sich die Wunde sowie die Operationszeit, was zu einem (wenn auch geringen, aber) erhöhtem Operationsrisiko beiträgt. Wir entfernen den Hodensack daher nur bei offensichtlichen Veränderungen oder auf Wunsch der Hundehalter. 

Nach der Operation wird Ihr Hund bei uns überwacht bis er wieder selbständig laufen kann. Tödliche Narkosekomplikationen entstehen statistisch häufiger in der postoperativen Phase, das heißt in den ersten 1-4 Stunden nach einer Operation. Wir behalten Ihren Hund daher noch einige Zeit nach Ende der Operation bei uns um im Notfall eingreifen zu können. Schon während der Operation erhält Ihr Hund ein Schmerzmittel, dass 24 Stunden anhält. Ab dem nächsten Tag können Sie das Medikament in Form einer Tablette oder als Saft Zuhause verabreichen. 

Gegen späten Nachmittag am selben Tag, können Sie Ihren Hund wieder abholen. Wir empfehlen am Operationstag kein Futter mehr anzubieten. Wasser kann nach der Entlassung ohne weiteres angeboten werden. 

Nachsorge der Kastrationswunde

In den nächsten 1-2 Tagen sollten Sie die Spaziergänge auf ein Minimum beschränken. Wir möchten nach 2-3 Tagen die Wunde noch einmal kontrollieren und sehen ob es Ihrem Hund den Umständen entsprechend gut geht und die Heilung erwartungsgemäß verläuft. Noch für weitere 14 Tage sollte der Hund an einer kurzen Leine geführt werden, um eine optimale Wundheilung zu gewährleisten. der Hund sollte nicht an der Operationswunde lecken. Auf Wunsch können Sie einen Halskragen erhalten. Bei einigen Rüden genügt das angebrachte Pflaster. Soweit die Wunde komplikationslos verheilt, können -wenn vorhanden- nach 10 Tagen die Hautfäden gezogen werden. Die inneren Fäden sind selbstauflösend. 

Sie sollten einen Tierarzt aufsuchen, wenn…

  • Die Wunde gerötet erscheint 
  • Die Wunde geschwollen erschein 
  • Sich an der Wunde Wundflüssigkeit oder Eiter sammelt 
  • Bei Blutungen 
  • Bei fehlenden Nähten  
  • bei einem stark geschwollenem Hodensack

 

Kosten einer Rüdenkastration

Die Kosten für die Kastration eines Rüden liegen zwischen 200€-250€ (im Einzelfall auch höher) . Je nach Bedarf können zusätzliche Kosten entstehen. Der Preis einer Operation richtet sich nach den notwendigen Maßnahmen, die der individuelle Patient benötigt. 

Nur nach Einschätzung des Narkoserisikos und Kenntnis von individuellen Vorerkrankungen können wir Ihnen einen genaueren Kostenvoranschlag erstellen. Vereinbaren Sie einen Termin mit uns! 

Autor: Tierärztin Frau Korte