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Notfälle am Auge bei Tieren

Kleine Verletzungen oder Reizungen des Auges oder der Bindehäute können das Augenlicht eine Tieres gefährden. Durch unkontrolliertes Reiben am Auge können tiefer liegende Strukturen schwer verletzt werden. 

Manipulationen am Auge sind konsequent zu vermeiden. Wenn Sie einen Halskragen zur Hand haben, dann legen Sie diesen vorsorglich an. Suchen Sie unverzüglich einen Tierarzt auf um die Ursache abklären zu lassen.

 

Notfälle am Auge können sich so äußern:

  • zukneifen der Lider
  • trübes Auge
  • gerötetes Auge
  • eitrigen Ausfluss
  • geschwollenes Auge

 

Akutes Glaukom

 Das akute Glaukom oder auch grüner Star kann sich innerhalb kürzester Zeit entwickeln. Beim Glaukom steigt der Augeninnendruck stark an. Es kommt zum erhöhten Druck auf den Sehnerv. Ein Umstand, der zu starken Schmerzen führt. Wird der Augeninnendruck nicht innerhalb kurzer Zeit wieder auf ein Normalmaß gesenkt, droht der Verlust der Sehfähigkeit. 

 

Ein akutes Glaukom äußert sich mit diesen Symptomen:

 

  • Augenschmerzen, das Tier kneift daher die Augenlider zusammen
  • Stark gerötete Gefäße am Augapfel
  • Geweitete Pupille, die bei Lichteinfall nicht normal reagiert
  • Eventuell auch Blindheit
  • Vermehrter Tränenfluss
  • Eventuell bläulich gefärbte Hornhaut

 

Die Diagnosestellung eines akuten Glaukoms erfordert eine Untersuchung mit speziellen Augeninstrumenten, dem sogenannten Tonometer. Bei der Untersuchung mit dem Tonometer (genannt Tonometrie) wird der Augendruck gemessen. Diese Untersuchung kann ohne Narkose durchgeführt werden und ist nicht schmerzhaft. Einige Tiere können mit einer Abwehrreaktion reagieren, wenn sie starke Schmerzen am Augapfel haben. In diesem Fall kann eine Lokalanästhesie am Auge vorgenommen werden und die Untersuchung auch ohne Narkose vorgenommen werden.

 

Die Behandlung eines akuten Glaukoms muss unverzüglich geschehen. Unsere Tierklinik ist auf die Diagnostik und Therapie von Augenerkrankungen spezialisiert. Wir haben alle erforderlichen Medikamente vorrätig und können bei sehr schweren Fällen auch operativ tätig werden.

 

Besonderheiten im Umgang mit einem Patienten mit akuten Glaukom: Der Augeninnendruck wird durch den Druck in den großen Halsgefäßen beeinflusst. Wiederholter oder anhaltender Druck auf diese Gefäße, zum Beispiel durch ein zu enges Halsband oder ein Würgehalsband, kann zur Entstehung eines Glaukoms beitragen oder ein vorhandenes Glaukom verschlimmern. Daher ist unbedingt darauf zu achten, dass möglichst wenig Druck auf den Hals ausgeübt wird. Dies kann auch durch das Anlegen eines Brustgeschirrs erreicht werden. 

 

Augentrauma

Traumatische Verletzungen am Auge kommen häufig infolge von Bissverletzungen oder Verkehrsunfällen vor. 

 

Beim Bulbusprolaps fällt der Augapfel aus der Augenhöhle vor. Dieser Notfall tritt besonders gehäuft bei kurzköpfigen Hunden auf, wie zum Beispiel Mops, Shih-Tzu, Pekinese, französische Bulldoggen und andere. Bei diesen Rassen kann ein Vorfall des Augapfels auch durch anheben im Nackenfell entstehen. Der Augapfel wird bei den kruzköpfigen Rassen meist nur durch die Augenlider in der Augenhöhle gehalten.

 

Erste Hilfe beim Vorfall des Augapfels: Decken Sie den vorgefallenen Augapfel mit feuchten Kompressen ab und lassen Sie den Hund nicht daran kratzen oder sich scheuern. Fahren Sie sofort zum Tierarzt.

Die Behandlung muss unverzüglich erfolgen. Ihr Hund wird bei einem Augapfelvorfall narkotisiert. Der meist stark geschwollene Augapfel kann nur durch einschneiden des Augenwinkels (sogenannte laterale Kanthotomie) wieder in die Augenhöhle zurück verlagert werden. Nach der Rückverlagerung des Augapfels wird das Auge für eine Zeit durch eine Naht verschlossen. Dazu wird das dritte Augenlid (auch Nickhaut genannt) mit dem Oberlid vernäht.

 

Selbst bei unverzüglicher Behandlung kann ein Erhalt der Sehkraft nicht garantiert werden. Je nach Ausmaß des Zerreißungstraumas können Muskeln durchtrennt werden, die für die Bewegung des Augapfels erforderlich sind. In der Folge kommt es dann zum dauerhaften Schielen, das sich jedoch noch 6-9 Monate nach dem Trauma noch zurückbilden kann.

 

Augenverätzungen

Verätzungen treten bei Tieren recht selten auf. Die möglichst zeitnahe Spülung des Auges mit lauwarmem Wasser oder steriler Salzlösung, ist die wichtigste erste Hilfe Maßnahme und sollte bereits vom Ersthelfer durchgeführt werden. Es sollte solange gespült werden, wie es toleriert wird (wenn möglich mehrere Minuten).

Die tierärztliche Behandlung erfolgt dann je nach Schaden, zumeist jedoch durch antibiotische Salben und wundheilungsfördernde Substanzen.

 

Hornhautverletzungen

Verletzungen der Hornhaut können auf vielfältige Weise entstehen. Durch Manipulation können kleine Verletzungen schnell an Größe gewinnen. Sie sollten Ihr Tier daher dringend davon abhalten am Auge zu kratzen oder sich zu scheuern. 

Die Hornhaut des Auges bedeckt das Augeninneren in mehreren dünnen Schichten. Verletzungen, die durch die gesamte Dicke der Hornhaut auftreten werden als perforierenden Hornhautverletzungen bezeichnet. Bei dieser Art von Verletzung kann das Kammerwasser (welches sich im Inneren des Auges befindet) austreten. Sobald Kammerwasser aus dem Auge läuft, kann das Auge meist nicht mehr gerettet werden. Daher ist es sehr wichtig Hornhautverletzungen sofort zu behandeln, bevor es zum Verlust des Auges kommt.

 

Hornhautverletzungen können durch Fremdkörper wie Dornen oder Katzenkrallen hervorgerufen werden. Wenn Sie den Fremdkörper im Auge stecken sehen, dann versuchen Sie auf keinen Fall selbst ihn heraus zu ziehen. Sollte der Fremdkörper bis in das Augeninnere eingedrungen sein könnte Kammerwasser austreten und das Auge kollabieren. Fahren Sie statt dessen sofort zu einem Augenspezialist.

 

Die Therapie einer Hornhautverletzung richtet sich nach Schwere und Ursache. Unsere therapeutischen Möglichkeiten erstrecken sich von Salbentherapie bis zur operativen Intervention. 

 

 

Plötzliche Blindheit

Ein Sehverlust tritt in einigen Fällen sehr akut auf. Plötzlich kann das eigene Tier sich nicht mehr orientieren und läuft gegen Gegenstände. Gehen Sie in diesem Fall sofort zum Tierarzt. Wenn die Ursache früh erkannt und behandelt wird, dann kann eventuell die Sehfähigkeit wiederkehren.

 

Mögliche Ursachen einer akuten Erblindung:

  • Akutes Glaukom
  • Hirn-Erkrankungen
  • Netzhautablösung
  • Blutungen im Inneren des Auges

 

Blutungen sind eine häufige Ursache für plötzliche Blindheit bei älteren Katzen. Diese Blutungen sind meist Folge eines über längere Zeit nicht erkannten Bluthochdrucks. Bluthochdruck tritt bei älteren Katzen auch ohne Grundursache auf, kann jedoch auch Teil einer Schilddrüsenüberfunktion oder Nierenfunktionsstörung sein. Schnell behandelt erlangen viele Katzen ihre Sehfähigkeit zurück. In keinem Fall sollte man sich unverrichteter Dinge damit abfinden, dass das eigene Haustier plötzlich nichts mehr sehen kann. 

 

 

Geben Sie bitte keine Medikamente ins Auge, die Sie von vorherigen Behandlungen übrig gehalten haben. Das falsche Medikament kann zum Verlust des Auges führen. Lassen Sie lieber einmal öfter das Auge von einem Tierarzt untersuchen.