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Magendrehung und Magenaufgasung

Die Magendrehung beim Hund ist ein lebensbedrohlicher Zustand, der unbehandelt zum Tod führt. Zeit ist ein wichtiger Faktor um das Überleben zu sichern. Halter von großen Hunden, wie zum Beispiel Deutsche Doggen und Irish Wolfhound, sollten daher immer die Nummer des nächsten notdienstbereiten Tierarztes griffbereit haben.

So entsteht eine Magendrehung beim Hund 

Bei der Magendrehung (auch Magen-Dilatations- und Volvulus-Komplex) dreht sich der Magen um die eigene Achse und verlegt so den Mageneingang und Magenausgang. Im Magen befindliches Futter und Gas können nicht mehr entweichen.

Der Magen kann sich im Bauchraum immer ein wenig bewegen, damit er sich je nach Füllungszustand auch ausdehnen kann. Mit zunehmendem Alter wird das Bindegewebe, das den Magen an Ort und Stelle hält schwächer und gibt leichter nach. Ob der Magen zuerst übermäßig aufgast oder sich erst dreht ist unklar. Beides kann jedoch zu schweren Auswirkungen auf den Kreislauf führen.

Ein übermäßig aufgeblähter Magen drückt auf das Zwerchfell und damit auf Gefäße und die Lunge und erschwert so die Atmung und behindert den Blutkreislauf. Ein gedrehter Magen unterbindet die Rückführung von Blut aus dem hinteren Körper und verursacht so ein Kreislaufversagen.

Gelegentlich kommt es zu einer gleichzeitigen Milzdrehung, was den Kreislauf zusätzlich belastet. Unbehandelt kommt es so zum Tod durch Herz-Kreislaufversagen.

Mögliche Ursachen einer Magendrehung

Große Hunderassen mit tiefer Brust - wie deutsche Dogge, Irish Setter, Irish Wolfhound, Neufundländer, Rottweiler, Bernhardiner, Berner Sennenhund, Großpudel und Weimeraner – haben ein erhöhtes Risiko. Eine Deutsche Dogge hat 39% Wahrscheinlichkeit einmal im Leben eine Magendrehung zu erleiden. Das Risiko aller großen Hunderassen zusammen liegt bei 6%. Wobei es zu familiären Häufungen kommt.

Vorwiegend sind ältere Tieren betroffen, selten tritt eine Magendrehung schon bei Hunden unter einem Jahr auf. In einer Studie konnte gezeigt werden, dass Hund mit einer Magendrehung eine verzögerte Magenentleerung zeigen, was durch Stress verstärkt werden kann. Die Fütterung aus erhöht aufgestellten Näpfen gilt ebenfalls als Risikofaktor für die Entstehung. 

Welche Symptome treten bei einer Magendrehung auf?

Erste Anzeichen treten direkt nach der Futteraufnahme auf, manchmal zeigt sich erst einige Stunden danach ein aufgeblähter Bauch. Die Hunde sind unruhig - laufen umher, stehen, sitzen und kommen nicht zur Ruhe. Hängender Kopf, aufgezogener Rücken und ein praller Bauch können die ersten Anzeichen sein. Wenn dazu noch starker Speichelfluss und unproduktives Erbrechen kommen, dann ist eine Magendrehung sehr wahrscheinlich. Unproduktives Erbrechen bedeutet, dass kein Futter ausgebrochen wird, in einigen Fällen kann Flüssigkeit oder weißer Schleim ausgebrochen werden. Mit weiter fortschreitendem Prozess kommen schneller Herzschlag und schnelle Atmung dazu.

Was ist unmittelbar zu tun?

Wenn Sie die oben genannten Symptome bei Ihrem Hund bemerken kontaktieren Sie sofort einen notdiensthabenden Tierarzt oder eine Tierklinik. Der Hund kann nur durch eine sofortige Notoperation gerettet werden. Melden Sie Ihr Tier unbedingt vorher telefonisch an, damit bei Ihrer Ankunft alles vorbereitet ist. Fahren Sie dann zügig, aber ohne sich selbst zu gefährden zum Tierarzt. In diesem Fall zählt jede Minute. Warten Sie auf keine Fall zu. Die Tiere versterben innerhalb weniger Stunden!

Muss es eine OP sein?

Durch ein Röntgenbild kann der Tierarzt in den meisten Fällen eine Magendrehung von einer Aufgasung unterscheiden. Dem Hund werden, wenn sich der erste Verdacht bestätigt, in die Vorderbeine Venenkatheter eingelegt, um den Kreislaufschock mittels Infusionen zu behandeln.

Bei der dann folgenden Operation wird der Magen wieder in seine normale Position gedreht und an der Bauchwand befestigt (sogenannte Gastropexie, damit er sich nicht noch einmal dreht). 

Bei einer Milzdrehung muss die Milz gelegentlich entfernt werden. Während der gesamten Operation und auch noch in den Tagen danach, können Herzrhythmusstörungen durch freigesetzte Giftstoffe auftreten.

Eine Behandlung einer Magendrehung ohne Operation lehnen wir ab, weil sie in der Regel nach kurzer Zeit zur erneuten Drehung des Magens führt und so nur unnötige Schmerzen und Leid für den Hund bedeutet. 

Wie stehen die Überlebenschancen?

Die Sterblichkeitsrate liegt zwischen 5-30%. Bei sofort erkannter Situation und unkomplizierter Operation stehen die Chancen relativ gut. Soweit eine Befestigung des Magens an der Bauchwand durchgeführt wurde ist das Risiko einer erneuten Drehung sehr gering. Magenaufgasungen können jedoch weiterhin passieren. f

Sollten jedoch Komplikationen auftreten sieht es eher schlechter aus. Herzrhythmusstörungen können auch noch Tage nach der Operation zum plötzlichen Versterben führen. 

Wie kann man einer Magendrehung vorbeugen?

Häufig treten Magendrehungen abends oder nachts auf. Haben Sie Ihren Hund also nach der Futteraufnahme bei sich, um anfängliche Symptome sofort zu erkennen. Die Sterblichkeit ist am höchsten bei Hunden, die im Zwinger gehalten werden.

Füttern Sie Ihren Hund nicht erhöht und in zwei bis drei Portionen, die immer annähernd zur selben Zeit gegeben werden.

Bei deutschen Doggen wird eine prophylaktische Gastropexie (Befestigung des Magens an der Bauchwand) empfohlen, sie reduziert die Sterblichkeit durch eine Magendrehung um das 29-fache!

Sollte ein Hund einer oben erwähnten Rasse oder ein Hunde in dessen Familie bereits Magendrehungen aufgetreten sind, wegen einer anderen Problematik am Bauch operiert werden, dann sollte auch bei ihm eine Gastropexie erfolgen.

Kosten einer Magendrehung beim Hund

Eine Magendrehung kündigt sich nicht durch Vorzeichen an und muss sofort versorgt werden. Die Operation im Notdienst ist zudem sehr teuer (Kosten zwischen 1.500-2.500€ bis zur Entlassung) und ihr Erfolg nicht immer sicher. 

Eine Operationsversicherung springt in solchen Fällen ein. Es werden verschiedene Tarife von verschiedenen Versicherern angeboten – informieren Sie sich bei Bedarf. Solche reinen Operationskostenversicherungen sind schon unter 20€ im Monat zu haben.