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Bluttransfusionen in der Tierarztpraxis

Blutspende retten Leben!

 

Um im Notfall auf Blut zurück greifen zu können, haben wir uns für eine Blutspenderkartei entschieden. In einigen Situationen ist eine sofortige Übertragung von Blut wichtig. Selbst in diesen Situationen können wir in wenigen Minuten auf frisches Vollblut zurück greifen.

Wir haben uns gegen das Aufrechterhalten einer Blutbank entschieden. Unter einer Blutbank versteht man das Lagern von Blutkonserven. 

 

Wir sind stetig daran interessiert unsere Kartei zu erweitern. Leider kann nicht jedes Tier uneingeschränkt Blut spenden. Zur Sicherheit für Blutspender und Blutempfänger, sollte ein Blutspender folgenden Kriterien erfüllen:

  • Alter: 2-9 Jahre
  • Gewicht: Hund >25 kg      Katze >4kg
  • regelmäßig geimpft und entwurmt
  • keine Medikamente einnehmen
  • keine Auslandsaufenthalte in Infektionsgebieten
  • hat selber keine Bluttransfusion erhalten

 

Für jede durchgeführte Blutspende erhalten Sie eine finanzielle Aufwandsentschädigung.

Gesunde Hunde können 3-4 mal pro Jahr Blut spenden. 

 

 

Ablauf einer Blutspende

Bei einer Blutspende muss eine gewisse Fließgeschwindigkeit des Blutes erreicht werden, um ein Verklumpen zu vermeiden. Bei Hunden und Katzen ist dies in der Regel nur möglich, wenn das Blut aus einer großen Vene am Hals entnommen wird. Bei den meisten Hunden ist dies ohne Probleme möglich. Katzen sind in dieser Region sehr empfindlich, so dass bei ihnen in der Regel eine kurze Narkose erfolgen muss. 

 

Patient Blood Management (PBM)

Was erst in den letzten Jahren wieder an Popularität in der Humanmedizin zugenommen hat, mussten Tierärzte mangels Alternativen über Jahrzehnte betreiben. Mit Patient Blood Management (kurz PBM) meint man eine Behandlung oder Vermeidung von Blutarmut (Anämie), die Minimierung von Blutverlusten und die Erhöhung der Anämietoleranz. 

 

Auch eine geringe Blutarmut vor einer Operation ist mit einem erhöhten Sterblichkeitsrisiko behaftet. Daher ist es wichtig, wenn möglich die Operation zu verschieben und zuerst die Ursache zu finden und diese zu behandeln. Um einer Blutarmut bei stationäre Patienten vorzubeugen entnehmen wir nur so viel Blut, wie notwendig ist um eine Analyse durch zu führen. Vor allem bei Katzen und kleinen Hunden können regelmäßige Blutabnahmen von 10ml, über einige Tage eine deutliche Abnahme der roten Blutzellen hervorrufen. Diesen Zustand bezeichnet man als diagnostisch-induzierte Anämie. Wir verwenden daher, bei Bedarf spezielle Aufsätze an den Venenverweilkanülen (Infuvalve), um das Austreten von Blut über diese Katheter zu vermeiden

 

Wir verwenden Bluttransfuionen nur dort, wo sie wirklich notwendig sind (strenge Indikationsstellung) um das Leben eines Tieres zu retten. Solche Situationen sind zum Beispiel ein Unfall mit übergroßem Blutverlust, immunvermittelte Anämie oder sehr spät erkannte Vergiftungen mit Rattengift bzw. Cumarinderivaten. Wir sprechen uns gegen eine übermäßig liberalen Einsatz von Bluttransfusionen aus.

 

Bei einer Blutspende handelt es sich um eine flüssige Organtransplantation. Daher muss im Vorfeld die Verträglichkeit von Spender und Empfänger getestet werden. Die Blutgabe erfolgt über ein spezielles Transfusionsbesteck, das kleinste Bestandteile wie Blutgerinnsel filtern kann.

Neue Forschungen konnten einen deutlichen Zusammenhang zwischen verwendeten Bluttransfusionen und Komplikationshäufigkeiten belegen. Dabei scheint besonders das Alter eines Blutproduktion negativ mit der Komplikationsrate zusammen zu hängen. Erhöhtes Auftreten von Lungenentzündungen und Thrombosen nach Blutransfusionen sind nur einige der Nebenwirkungen. Im Zusammenhang mit Bluttransfusionen bei bestimmten Tumoren beim Menschen konnte eine erhöhte Wiederauftretungsrate (Rezidivrate) ermittelt werden.

 

Dies ist einer der Hauptgründe warum wir ausschließlich Frischblut übertragen.

 

Transfusionreaktion

Von einer Transfusionsreaktion spricht man, wenn der Empfänger einer Transfusion eine unerwünschte körperliche Veränderung durch die Blutspende zeigt. Es handelt sich also um mögliche Komplikationen, die im Zusammenhang mit einer Bluttransfusion auftreten können. Sie treten zu meist kurz nach einer Transfusion auf. Man unterscheidet vier Typen von Komplikationen bei Bluttransfusionen:

  1. akut immunologisch (zum Beispiel Auflösung der roten Blutzellen, Fieber, Quaddeln, Kopfödem), diese Reaktionen werden meist durch Unverträglichkeiten hervorgerufen
  2. akut nicht-immunologisch (zum Beispiel Calciummangel durch Bestandteile in der Blutkonserve, Kaliumüberschuss, Magnesiummangel, Embolie, Endotoxin Schock) - solche Reaktionen werden durch eine lange Lagerzeit des Blutes begünstigt, meist spielen auch Bakterien eine Rolle
  3. verzögerte Immunreaktion (zum Beispiel verzögerte Auflösung der roten Blutkörperchen, Blutungen aus kleinsten Gefäßen)
  4. verzögerte Nicht-Immunreaktionen (zum Beispiel wenn Infektionserreger übertragen wurden). 

Die Übertragung von Infektionserregern mit den Blut kann nie völlig ausgeschlossen werden.

 

Warum wir für bestimmte Tiere keine Blutspende befürworten

In einigen Fällen können wir Tieren auch mit einer Blutspende nicht mehr das Leben retten. 

 

Unsere moralische Verantwortung gegenüber jedem Spendertier ist es, dass das gespendete Blut Leben retten soll. Wir haben uns daher dagegen entschieden in unserer Klinik Bluttransfusionen durchzuführen bei unheilbar kranken Tieren bzw. Tieren im Endstadium einer Erkrankung.

 

Ein häufiger Fall sind innere Blutungen bei Hunden, die durch Milztumore oder Milzrisse hervorgerufen werden. Hunde bei denen wir eine Innereblutung aus der Milz diagnostizieren werden von uns üblicherweise operiert. Ist es im Verlauf der Blutung schon zu einem sehr großen Blutverlust gekommen, kann es zum versterben während der Operation oder in der Aufwachphase kommen. Das verlorene Blut muss also wieder aufgefüllt werden, damit der Hund überlebt. Zum Zeitpunkt der Operation wissen wir nicht ob es sich um einen Tumor oder einen Milzriss, zum Beispiel durch ein Trauma handelt. Wir reinigen, in solchen Fällen das Blut aus der Bauchhöhle und verwenden es für eine sogenannte Autotransfusion. Dabei wird das eigene Blut, was zuvor im Bauchraum nicht mehr zur Verfügung stand, dem Blutgefäßsystem zugeführt.

 

Sollte es sich in einem solchen Fall um einen Tumor handeln, können durch die Transfusion Metastasen im gesamten Körper entstehen. Wir wägen daher in der Operation ab, ob es wirklich notwendig ist diese Prozedur vorzunehmen. Wir verzichten darauf wenn möglich und verwenden die Autotransfusion ausschließlich als Notfallmaßnahme.